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Leseprobe aus „Buddhismus und Business“

Leseprobe

„Buddhismus und Business“

Störgefühle

aus dem Buch von Heike Herzog

Eifersucht und andere Arten von Energieverschwendung, aus denen man mit Hilfe von Buddhas Weisheit was machen kann!

„Ich war grün vor Eifersucht auf alles, was nicht mit mir zu tun hatte und machte meinem Mann regelmäßig große Szenen. Es ist unglaublich, wie hartnäckig Eifersucht sein kann, und was sie mit einem macht. Sie hält sich im seltensten Fall an die Fakten und ist ständig damit beschäftigt sich Horrorszenarien aus Vergangenheit und Zukunft auszumalen. Egal, wie fern jeglicher Realität diese Wahnvorstellungen auch sein mögen. Traurig, wie viel Lebens- und Liebesqualität und wie viel wunderschöne gemeinsame Zeit viele Menschen sich mit diesem völlig bodenlosen Gefühl vergiften und nehmen.

Dass meine Eifersucht und mein völlig unrationelles Verhalten ungerecht, auf Dauer deutlich jenseits des für ihn Zumutbaren und vor allem einfach nur sehr peinlich waren, begriff ich erst später. Ich fing an, mich damit zu beschäftigen und zu versuchen, dieses unrationelle Gefühl, dass so viel kaputt machte, zu kontrollieren.

Kommunikationsexperten und Paarberater auf der ganzen Welt raten bei Eifersucht zu einem eigentlich ganz nützlichen Vorgehen. Nämlich bewusst auf die Bremse und dann einen Schritt zurück zu treten, sobald einem bewusst wird, dass eine Eifersuchtsattacke heraufzieht. Dann fragt man sich, was eigentlich – so nüchtern wie möglich betrachtet – der Auslöser für dieses Gefühl ist. So präzise wie irgendwie möglich macht man sich bewusst, welcher Teil des ablaufenden Filmes tatsächlich Fakten sind und was eigentlich nur Fantasie, Spekulation und Mutmaßung. So zwingt man sich selbst, bei den Fakten zu bleiben und keine Gespenster zu sehen. Eigentlich nur gesunder Menschenverstand – für nicht-meditierende Menschen, die sich mitten in einer Eifersuchtsattacke finden, eine große Herausforderung, sich zu dieser nüchternen Analyse durchzuringen, statt sich in dem Drama der Gefühle zu wälzen und es an ihrer Umwelt und ihrem unschuldigen Partner auszulassen und damit so viel mehr kaputt zu machen, als der Partner es vermeintlich gerade durch sein Verhalten tut.

Hier mal ein typisches Beispiel, mit dem sich sicherlich viele identifizieren können: man kommt abends nach getaner Arbeit nach Hause. Der Tag war anstrengend, und man hat eigentlich schon den ganzen Nachmittag damit verbracht sich auszumalen, was für einen schönen Abend man mit seinem Partner verbringen wird, der bestimmt schon zuhause wartet: zusammen etwas kochen oder ins Kino gehen, einen kuscheligen Abend auf dem Sofa verbringen, oder früh ins Bett zu gehen und dort zusammen Spaß zu haben.

Und dann kommt man erwartungsvoll vor der Wohnungstür an und wundert sich, dass noch doppelt abgeschlossen ist. Eigentlich sollte der Liebste oder die Liebste doch längst zuhause sein…?!? So ist dann schon mal die Enttäuschung groß, dass sich der Verdacht nach einem unbeantwortet in der ausgestorbenen Wohnung verhallenden »Schatz, bist Du da?« bestätigt.

Na gut. Dann muss er wohl ein bisschen länger arbeiten. Kann man ja nutzen die Zeit. Schon mal unter die Dusche gehen, sich frisch machen und ihn frisch gestylt und im sexy Outfit zu überraschen, ist ja auch nicht verkehrt und macht den Abend bestimmt noch schöner! Auf dem Weg zur Dusche piept das Handy – SMS: »Schatz, wird etwas später, bin noch im Büro« Okay. Minuten später klingelt das Handy wieder – es ist die beste Freundin, die spontan einen trinken gehen möchte. Eigentlich ja eine nette Idee, aber geht nicht weil man ja später einen romantischen Abend mit dem Süßen verbringen möchte. Wird halt nur ein bisschen später. Also – sorry, liebe beste Freundin, aber heute abend musst Du bitte jemand anderes zum Ausgehen finden!

Doch nach dem Duschen ist er immer noch nicht zurück. Kleine Grübelattacke…. Hmm. Er hat ja ganz schön lange nichts mehr von dieser Kollegin in dem kurzen silbernen Kleid erzählt, mit der er sich auf der Weihnachtsfeier mindestens eine Stunde lang unterhalten hatte, ohne auch nur einmal woanders hinzuschauen….

Und so vergehen anderthalb Stunden, in denen man sich intensiv in all diese Fantasien reinsteigern kann. Wahrscheinlich ist es nicht die Arbeit, die ihn so lange im Büro hält, sondern ein Glas Wein mit den Kollegen – oder vielleicht nur der einen Kollegin von der Weihnachtsfeier? Auf die Antwort SMS – vor Stunden abgeschickt – hat er auch nicht geantwortet. Dabei stand da doch extra noch drin, dass wie sehr man sich auf ihn freut.

Voilà – die Eifersucht kocht und die Enttäuschung ist riesig. Jetzt ist es schon zehn Uhr, der Abend fast vorbei – und keine Chance, ihn noch zu dem zu machen, was er doch hatte sein sollen. Ich habe jedenfalls meinem Exmann oft genug eine Riesenszene gemacht, bevor er überhaupt die Wohnungstür schließen und die Tasche abstellen konnte. Und damit war der Abend dann natürlich wirklich gelaufen – und all diese für den Partner mehr oder weniger aus heiterem Himmel hereinbrechenden Dramen summieren sich natürlich irgendwann auch in großem Frust und schlimmstenfalls einem völlig ruinierten Vertrauensverhältnis (»Ich kann mir ja eh noch so viel Mühe geben und treu sein, sie dreht es sich eh anders zurecht«) und damit einer kaputten Beziehung.

Im Buddhismus ist Eifersucht eines der fünf sogenannten Hauptstörgefühle. Sie entsteht aus dem Bedürfnis, um jeden Preis festhalten und ausschließlich für sich haben zu wollen, was einem lieb und teuer ist – in diesem Fall den Partner.

Die fünf Hauptstörgefühle Unwissenheit, Stolz, Anhaftung, Eifersucht und Zorn sind im Vajrayana Buddhismus nicht wie in anderen Religionen sündhaft oder unsozial – sie sind sogar der Rohstoff auf dem Weg zur Erleuchtung. Denn man kann sie mit vielschichtigen Mitteln, die mittlerweile sogar in der modernen Psychologie angekommen sind, umwandeln in tiefe Weisheit. Buddhas Lehre besteht aus sage und schreibe 84.000 Belehrungen zu 84.000 bedingten Bewusstseinszuständen und Geistesschleiern. All diese sind Verbindungen der eben genannten fünf Hauptstörgefühle.

Der buddhistische Weg ist aber nicht, diese negativen Gefühle nicht haben zu dürfen oder blind wegzudrücken. Stattdessen lernt man, Störgefühle schon als solche zu erkennen, wenn sie am Horizont heraufziehen. Und dann hat man die Wahl, wie viel Kraft und Einfluss man ihnen geben möchte. Wenn man das Prinzip von Ursache und Wirkung verstanden und verinnerlicht hat, möchte man normalerweise nicht mehr von seinen Störgefühlen ferngesteuert werden und entsprechend mit negativen Eindrücken um sich werfen. Denn aus Zorn oder Eifersucht laut oder ausfallend zu werden führt letzten Endes eh nur dazu, dass man sich peinlich benimmt, Freunde verliert und die gesäten negativen Samen früher oder später zu negativen Erfahrungen und Schwierigkeiten führen, weil das schädliche Karma wieder heranreift. Störgefühle sind immer ein Bumerang – früher oder später kommt es zu einem zurück – genauso wie man in den Wald reingerufen hat.

Deswegen entwickelt man als ersten Schritt mehr innere Achtsamkeit um diese Emotionen schon im Aufkeimen zu erkennen. Aus diesen Beobachtungen heraus lernt man nach und nach, die Situationen und Bedingungen, die diese Störgefühle auslösen, zu vermeiden. So kann man neue Dramen verhindern und sät schon einmal weniger negative Samen für die Zukunft. Das klassische Beispiel für diese Strategie ist der berühmte Spaziergang an der frischen Luft – die »Runde um den Block« statt in einer schwierigen Situation überstürzt zu reagieren oder an die Decke zu gehen.

Als zweiten Schritt lernt man zu verstehen, dass keines dieser Gefühle irgendeine Art von Beständigkeit hat. Gefühle und die sie auslösenden Situationen ändern sich ja ständig. Zehn Minuten vorher waren sie noch nicht da, dann schwirren sie ein bisschen im Geist herum und hinterher versteht man häufig gar nicht mehr warum man sie überhaupt hatte. Folglich wäre es Unsinn, diesem Gefühl zu folgen und sich von ihm zu unüberlegten Handlungen hinreißen zu lassen.

Das Leben von Nicht-Meditierenden wird in erster Linie davon bestimmt, dass sie sich unflektiert von dem Strom ihrer Gefühle und Launen leiten lassen. Das zu erkennen, bedeutet nur eines: die größtmögliche Freiheit kann nur sein, sich seinen »Film«, sein Leben, selbst aussuchen zu können. Weil man durch das Meditieren den Abstand zu den Alltagssituationen bekommt. Der ermöglicht es einem mit Bedacht oder auch einfach mal gar nicht auf schwierige Situationen zu reagieren, so Schwierigkeiten mehr und mehr zu vermeiden und das eigene Leben nach den eigenen Wünschen gestalten zu können.

Ein aufkommendes Störgefühl packt man dann sozusagen mit spitzen Fingern an, hält es sich vor die Nase und untersucht seine Eigenschaften unter der Lupe: »Wer bist denn Du, wo kommst Du her, wo willst Du überhaupt mit mir hin und warum bitteschön sollte ich Dir folgen, wenn Du Dich doch sowieso wieder in Luft auflösen wirst?« Häufig ist es zum Beispiel hilfreich sich die vermeintlichen Schwierigkeiten und Dramen, die man zu haben glaubt, mal im großen Kontext anzusehen. Wenn man sich in solchen Momenten mal ernsthaft daran erinnert, wie viele Menschen auf der Welt – nämlich mindestens 90 Prozent – wirkliche Probleme haben, dann müsste man schon aus Stein und sehr verwirrt sein, um die meisten der eigenen negativen Gefühle und vermeintlich dramatischen Situationen noch großartig ernst nehmen zu können.

Es mag ja platt klingen, aber es scheint uns immer noch nicht wirklich klar genug zu sein, so ernst wie wir unsere alltäglichen Luxusproblemchen meist immer noch nehmen: Wir sind in der kaum fassbar glücklichen Situation, in einem der wenigen Gebiete der Erde zu Leben, in dem es keinen Krieg gibt, in denen wir jeden Tag mit großer Selbstverständlichkeit mindestens drei Mahlzeiten pro Tag auf den Tisch bekommen, nicht von Seuchen oder gefährlichen Menschen oder Tieren bedroht werden… und so weiter und so fort. Das ist nicht normal. Das ist purer Luxus – und sehr gutes Karma aus vergangenen Leben, dass wir unter solchen Bedingungen geboren wurden! Und das sind nur einige der sehr, sehr seltenen Bedingungen, die aufgrund unseres guten Karmas zusammengekommen sind und uns überhaupt erst ermöglichen, uns mit den kostbaren und befreienden buddhistischen Lehren beschäftigen zu können!

Und so hat man plötzlich immer öfters die Möglichkeit rechtzeitig zu sehen wie absurd schwer viele Menschen sich selbst ihr Leben machen. Wie viele Steine sie sich und anderen in den Weg werfen – und dadurch immer mehr in ihren Schwierigkeiten gefangen werden, statt wie eigentlich beabsichtigt glücklicher zu werden. Buddhisten sind sich häufiger der Tatsache bewusst, dass die Menschen mehr aus Unwissenheit denn aus Boshaftigkeit falsch handeln. Deswegen, und weil sie sich durch die in der Meditation gewonnenen Abstand zu den Ereignissen auch in brenzligen Situationen daran erinnern können statt den Kopf zu verlieren, sind sie in der Lage in Konfliktsituationen mit mehr Umsicht, Mitgefühl und Weisheit handeln.“

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